Ökologische Aufwertungen auf gemeindeeigenen Grünflächen
14. April 2026
Das Projekt «Ökologische Aufwertungen auf gemeindeeigenen Grünflächen»: Gemeinde startet die Umsetzungsphase in 2026. Die Details finden Sie im Folgetext.
Biodiversität in der Schweiz
Die Schweiz ist in vielerlei Hinsicht ein Vorzeigeland. Dies trifft leider nicht auf den Zustand der Biodiversität zu. Im Vergleich mit anderen europäischen Ländern belegt die Schweiz nach wie vor einen der letzten Plätze. Die Umsetzung der Schweizer Schutzbestimmungen scheint nicht gut zu funktionieren. Denn der Anteil bedrohter Pflanzen- und Tierarten ist mit einem Drittel aller in der Schweiz vorkommenden Arten weiterhin ausgesprochen hoch. Auch die Hälfte aller Lebensraumtypen ist gefährdet. Die Schutzgebiete der Schweiz werden in Fachkreisen als ungenügend im internationalen Vergleich bewertet.
Seit 2012 gibt es auf Bundesebene die Strategie Biodiversität Schweiz (SBS), deren Ziel die Erhaltung der Artenvielfalt, der Ökosysteme und der genetischen Variabilität ist. 2017 verabschiedete der Bundesrat den zugehörigen Aktionsplan, welcher konkrete Massnahmen zu den über-geordneten Zielen der SBS umfasst. Dazu zählt zum Beispiel auch die Förderung der einheimischen Natur im Siedlungsgebiet.
Förderprogramm des Kanton Basel-Landschaft
Der Kanton Basel-Landschaft lancierte in diesem Zusammenhang das Förderprogramm «Öko-logische Aufwertungen kommunaler Grünflächen». Mit dem Programm werden Gemeinden bei biodiversitätsfördernden Massnahmen mit Bundesbeiträgen unterstützt. In der Programmperiode 2025–2028 hat auch die Gemeinde Birsfelden eine entsprechende Leistungsvereinbarung mit der kantonalen Abteilung Natur und Landschaft abgeschlossen.
Gemäss Programmvorgaben wurde in 2025 das Umweltbüro GEO Partner AG mit der Ermitt-lung geeigneter Grünflächen für ökologische Aufwertungen beauftragt. Dabei wurde ein beson-derer Schwerpunkt auf das Gemeindeziel der ökologischen Vernetzung von Gehölz-, Wiesen- und trockenwarmen Lebensräumen gelegt. Die feldbiologischen Arbeitsergebnisse umfassten übergeordnet bereits verortete Vorschläge für gartenbauliche Massnahmen. Dabei wurde die jeweilige Nutzung der verschiedenen Flächen berücksichtigt und in die Planungen einbezogen.
Insgesamt wurden zehn Grünflächen ausgewählt, die die Gemeinde nun in den Jahren 2026–2028 in Teilbereichen so umgestalten wird, dass die einheimische Natur davon profitiert. Drei dieser Grünflächen werden vom Team Grün des Birsfelder Betriebsunterhalts aufgewertet. Die Umgestaltungen auf den anderen sieben Flächen werden Garten- und Landschaftsbaubetrieben mit Spezialisierung auf naturnahen Garten- und Landschaftsbau beauftragt. Die Zusammenarbeit mit privatwirtschaftlichen Unternehmen gehört zu den Bedingungen des kantonalen Förderprogramms.
In 2026 werden ökologische Aufwertungen auf dem Stieracker und der Spielwiese Scheuerrain vom Team Grün sowie auf Teilflächen des Friedhofs und in der Rabatte der Riehenstrasse vom Birsfelder Unternehmen Mario Knecht Gartengestaltung umgesetzt.
Zu den gartenbaulichen Massnahmen gehören:
- das Entfernen oder Reduzieren von Pflanzen, welche nicht einheimisch sind oder sogar zu den invasiven Neophyten zählen, aber auch solcher, die einheimisch sind und durch ihre Schnellwüchsigkeit das Aufkommen anderer einheimischer Arten verhindert haben
- das Optimieren der Bodenstruktur und Abmagern des Substrats, z. B. durch Einbringen von Kies-/Sandgemischen
- das Anlegen von Ruderalflächen als trockenwarme Lebensräume
- das Ansäen von Samenmischungen von Wildblumen sowie Setzen von Initialziegeln mit Wild-stauden in Wiesenflächen
- das Ergänzen von Hecken mit verschiedenen einheimischen Straucharten und Pflanzen von zusätzlichen Strauchgruppen an geeigneten Orten
- das Entwickeln von Krautsäumen im Randbereich von Gehölzformationen
- das Auflichten von dicht bewachsenen Flächen, um lichtliebende Arten der heimischen Flora und Fauna zu fördern
- das Platzieren von Strukturelementen wie Ast- und Steinhaufen, Wurzelstrünken, Wandkiesrondellen und Sandarien für Insekten und viele andere Kleintiere.
Auf dem Friedhof lässt die Gemeinde die ökologischen Aufwertungen unter anderem auf die Förderung des Gartenrotschwanzes als einer in der Schweiz auf der Roten Liste als potenziell gefährdet eingestuften und geschützten Art ausrichten. Der Gartenrotschwanz ist auch eine Zielart im Leitbild Natur der Gemeinde Birsfelden.
Eine Sondermassnahme auf einer Teilfläche des Friedhofs, die als gestufter Blumenrasen ent-wickelt wird, ist der Bau einer Trockenmauer aus Bruchstücken ausgedienter Grabsteine. Diese wird im Rahmen der Fortbildung Naturnaher Garten- und Landschaftsbau als Zertifikatsarbeit des Leiters Team Grün des Birsfelder Betriebsunterhalts realisiert. Fachgerecht angelegte Tro-ckenmauern haben einen grossen biodiversitätsfördernden Effekt durch das Angebot verschie-dener Mikrolebensraumtypen.
In der Riehenstrasse wird die Gemeinde Birsfelden im Zuge dieses Projekts auch einen neuen Baum erhalten.
Alle Umgestaltungen sind mit den Funktionen der ausgewählten Flächen kompatibel. So wird die Nutzung der Spielwiese Scheuerrain nicht eingeschränkt. Auch mit dem Friedhofsbetrieb wer-den die notwendigen gartenbaulichen Arbeiten abgestimmt; Bestattungen werden dabei beson-ders berücksichtigt.
Im Mai finden die Gartenbauarbeiten in der Riehenstrasse statt. Die betreffenden Teilflächen des Friedhofs werden im Juni umgestaltet. Ökologische Aufwertungen, welche vom Team Grün auf der Spielwiese Scheuerrain und auf der Grünfläche Stieracker realisiert werden, starten im Laufe des Sommers und werden sich mit Unterbrechungen noch bis ins Jahr 2027 fortsetzen.
Die Natur braucht Zeit für die Entwicklung ihres Artenreichtums, stabiler Lebensräume und ihrer ökologischen Leistungen. Wir dürfen daher nicht erwarten, dass wir gleich nach Abschluss aller gartenbaulichen Arbeiten auf den ausgewählten Grünflächen eine blühende Pracht und eine grosse Vielfalt an einheimischen Tierarten vorfinden. Mit der Zeit und einer fachgerechten Pflege wird sich dies aber einstellen. Neben der Förderung der Biodiversität als unabdingbarer Lebensgrundlage auch von uns Menschen wird uns die Natur dann mit ihrer Vielfalt und Schönheit er-freuen.
Gemeindeverwaltung Birsfelden
Fachstelle Freiraum & Natur

